Wenn Sie in Indien Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder halten, fragen Sie sich wahrscheinlich: Ist das überhaupt erlaubt? Die Antwort ist nicht einfach ja oder nein. Kryptowährungen sind in Indien nicht verboten, aber auch nicht offiziell als Geld anerkannt. Sie existieren in einem rechtlichen Graubereich - erlaubt, aber streng kontrolliert.
Was ist mit Kryptowährungen in Indien legal?
Seit August 2025 gilt in Indien das Income Tax (No. 2) Bill, 2025. Dieses Gesetz definiert Kryptowährungen als Virtual Digital Assets (VDAs). Das bedeutet: Bitcoin, Ethereum, NFTs und andere digitale Tokens sind rechtlich anerkannt - aber nur als Vermögenswerte, nicht als Zahlungsmittel. Sie können sie kaufen, verkaufen, halten oder tauschen. Banken dürfen Ihnen keine Dienstleistungen verweigern, wie das noch 2018 der Fall war.Was nicht erlaubt ist: Kryptowährungen als Zahlungsmittel für Waren oder Dienstleistungen zu verwenden. Ein Laden in Mumbai kann Ihnen keinen Kaffee für 0,002 Bitcoin verkaufen. Der indische Rupee bleibt das einzige gesetzliche Zahlungsmittel.
Wie hoch sind die Steuern auf Kryptowährungen?
Indien hat die strengsten Kryptosteuerregeln der Welt. Wenn Sie Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin oder anderen VDAs machen, zahlen Sie 30 % Steuern - ohne Abzüge. Keine Verlustverrechnung. Keine Kostenabsetzung. Selbst wenn Sie im Jahr 50.000 Euro verloren haben, aber 10.000 Euro Gewinn gemacht haben, zahlen Sie 3.000 Euro Steuern auf diesen Gewinn.Dazu kommt eine 1 %ige TDS-Abzugspflicht (Tax Deducted at Source). Das bedeutet: Jede Transaktion - egal ob Kauf, Verkauf oder Austausch - wird automatisch mit 1 % abgezogen. Wenn Sie 10.000 Euro in Ethereum investieren, werden 100 Euro direkt an das Finanzministerium überwiesen, bevor das Geld auf Ihrem Wallet landet. Dieser Abzug wird von der Börse oder dem Händler vorgenommen - Sie müssen nichts selbst beantragen.
Keine andere große Wirtschaft hat so hohe Steuern. In den USA zahlen Sie nur Kapitalertragssteuer, in Deutschland nur ab 600 Euro Gewinn. In Indien zahlen Sie 30 % - egal wie klein der Gewinn ist.
Wer überwacht Kryptowährungen in Indien?
Es ist nicht nur das Finanzministerium. Mehrere Behörden arbeiten zusammen:- Income Tax Department: Überwacht die 30 % Steuer und prüft Steuererklärungen. Seit 2019 verschicken sie Briefe an Nutzer, die Krypto-Gewinne nicht gemeldet haben.
- FIU-IND (Financial Intelligence Unit): Verfolgt Geldwäsche. Alle Krypto-Börsen müssen Transaktionen über 10.000 Euro melden - und Nutzer identifizieren.
- RBI (Reserve Bank of India): Will Kryptowährungen nicht als Geld. Plant aber eine eigene digitale Währung, die Digital Rupee.
- SEBI (Securities and Exchange Board of India): Denkt über eine regulierte Handelsplattform nach - wie eine Börse für Krypto.
Das Ergebnis: Jede Transaktion wird aufgezeichnet. Es gibt keine anonymen Krypto-Transfers mehr in Indien. Wenn Sie eine Börse wie WazirX oder CoinDCX nutzen, müssen Sie Ihre Identität bestätigen - und Ihre Transaktionen werden an die Steuerbehörde weitergeleitet.
Wie hat sich die Regulierung entwickelt?
Die Geschichte ist chaotisch. 2013 warnte die RBI erstmals vor Kryptowährungen. 2018 verbot sie Banken, Krypto-Unternehmen zu unterstützen - ein vollständiges Bankenembargo. Tausende Nutzer konnten nicht mehr Geld einzahlen oder abheben. Die Branche stand kurz vor dem Zusammenbruch.Dann kam der Supreme Court im März 2020 und hob das Verbot auf. Die Börsen kehrten zurück. Doch die Regierung blieb skeptisch. Sie entwickelte einen Entwurf für ein Gesetz, das Kryptowährungen verbieten sollte - aber es wurde nie verabschiedet.
2025 war der Wendepunkt: Statt zu verbieten, beschloss die Regierung, sie zu besteuern. Die neue Regelung ist kein Freibrief - sie ist eine Kontrolle. Der Staat will nicht, dass Kryptowährungen das Finanzsystem destabilisieren. Er will aber auch nicht, dass Milliarden an Gewinnen steuerfrei bleiben.
Was ist mit NFTs und DeFi?
NFTs gehören auch zu den Virtual Digital Assets. Das bedeutet: Wenn Sie ein NFT für 5.000 Euro kaufen und es für 15.000 Euro verkaufen, zahlen Sie 30 % Steuern auf 10.000 Euro Gewinn - also 3.000 Euro. DeFi-Protokolle wie Uniswap oder Aave sind nicht explizit verboten, aber jede Transaktion unterliegt der 1 % TDS und der 30 % Steuer. Es gibt keine Ausnahmen.Einige Nutzer versuchen, Transaktionen über P2P-Plattformen oder ausländische Börsen zu vermeiden. Aber: Die FIU-IND arbeitet mit internationalen Behörden zusammen. Seit dem G20-Gipfel 2023 tauscht Indien automatisch Steuerdaten mit über 100 Ländern aus - dank des Crypto-Asset Reporting Framework (CARF). Wenn Sie in der Schweiz oder den USA Krypto handeln und in Indien wohnen, wird das gemeldet.
Was ist mit zukünftigen Gesetzen?
Es gibt kein umfassendes Krypto-Gesetz - noch nicht. Die Regierung arbeitet an einem neuen Rahmen, der möglicherweise Lizenzpflichten für Börsen einführt oder Handelsbeschränkungen vorsieht. Experten erwarten, dass 2026 oder 2027 ein neues Gesetz kommen könnte - aber nicht, um Kryptowährungen zu verbieten. Sondern um sie noch enger zu kontrollieren.Die Richtung ist klar: Kein Verbot. Keine Freiheit. Nur Kontrolle. Die Regierung will die Vorteile von Kryptowährungen - Innovation, digitale Transformation - nutzen, aber ohne Risiken für die Finanzstabilität. Sie will Gewinne besteuern, nicht verbieten.
Was sollten Sie jetzt tun?
Wenn Sie Kryptowährungen in Indien nutzen:- Behalten Sie alle Transaktionen auf - Kauf, Verkauf, Tausch, Wallet-Übertragungen.
- Rechnen Sie 30 % Steuern auf jeden Gewinn - und 1 % TDS als zusätzliche Abzugspflicht.
- Melden Sie alle VDA-Gewinne in Ihrer Steuererklärung - selbst wenn die Börse TDS abgezogen hat.
- Verwenden Sie nur registrierte Börsen mit KYC-Prüfung. P2P-Handel ist riskant und schwer nachzuverfolgen.
- Vermeiden Sie Versuche, Steuern zu umgehen. Die Überwachung ist heute so dicht wie nie zuvor.
Es ist kein Land, in dem Sie einfach Kryptowährungen nutzen können, wie in der Schweiz oder in Portugal. In Indien ist jede Transaktion dokumentiert. Jeder Gewinn ist steuerbar. Und der Staat verfolgt jede Abweichung.