Im Jahr 2026 ist Nordmazedonien kein Land, das Kryptowährungen komplett verbietet - aber auch kein Land, das sie freudig willkommen heißt. Es ist ein Land im Zwischenraum. Eine Grauzone. Wo du Krypto kaufen und verkaufen kannst, aber niemand dir sagt, ob das legal ist. Wo du Geld transferieren kannst, aber keine Bank dir dabei hilft. Wo du Gewinne machen kannst - aber auch ganz allein verantwortlich bist, wenn es schiefgeht.
Was genau ist verboten - und was nicht?
Die Zentralbank von Nordmazedonien, die NBRM, hat seit 2018 immer wieder gewarnt: Kryptowährungen sind riskant. Hohe Preisschwankungen. Betrugsgefahr. Kein Schutz für Anleger. Aber sie haben nie gesagt: „Du darfst das nicht tun.“ Stattdessen sagen sie: „Wir erlauben es nicht. Aber wir verbieten es auch nicht.“ Das ist kein klares Gesetz. Das ist ein Nicken, das nicht weitergeht. Kryptowährungen sind in Nordmazedonien keine gesetzliche Zahlungsmittel. Das bedeutet: Du kannst deine Miete nicht mit Bitcoin zahlen. Du kannst nicht im Supermarkt mit Ethereum bezahlen. Keine Bank, keine Sparkasse, kein Zahlungsdienstleister darf Krypto als Zahlungsmittel akzeptieren. Das ist klar. Aber: Niemand hindert dich daran, Bitcoin von einer ausländischen Börse zu kaufen, sie auf deinem Wallet zu halten oder sie an jemanden zu verkaufen, der sie will. Das ist legal - zumindest nicht verboten.Warum gibt es diese Grauzone?
Nordmazedonien will Mitglied der Europäischen Union werden. Und die EU hat mit MiCA einen klaren Regelkatalog für Kryptowährungen. Alles, was mit Krypto zu tun hat - von Börsen bis zu Stablecoins - muss registriert, überwacht und kontrolliert werden. Nordmazedonien will nicht zurückbleiben. Deshalb arbeitet die Regierung seit 2024 an einem neuen Gesetz. Es soll bis Ende 2025 fertig sein. Und ab 2026 sollen Krypto-Börsen eine Lizenz brauchen, um hier zu operieren. Aber bis dahin? Niemand kontrolliert. Niemand überwacht. Keine Meldepflicht. Keine Steuererklärung. Keine Rechtsklarheit. Das ist ein Paradies für Kriminelle - und ein Albtraum für normale Anleger.Wie handeln Menschen in Nordmazedonien mit Krypto?
Tatsächlich nutzen viele Menschen Krypto - aber nicht, weil sie es lieben. Sondern weil sie es brauchen. Nordmazedonien hat eine der höchsten Auswanderungsquoten in Europa. Tausende arbeiten im Ausland - in Deutschland, Italien, Österreich. Sie schicken Geld nach Hause. Traditionelle Überweisungen kosten bis zu 10 % an Gebühren. Mit Krypto? Manchmal nur 1 %. Ein kleines mazedonisches Fintech-Startup hat genau das genutzt. Sie bauten eine Blockchain-basierte App, die es Arbeitern im Ausland ermöglicht, Geld direkt auf Handys von Familienmitgliedern zu schicken - ohne Bank. Ohne Vermittler. Ohne hohe Gebühren. Die Regierung hat das nicht unterstützt. Sie hat es nicht verboten. Sie hat es einfach ignoriert. Das ist der Widerspruch: Krypto wird in der Praxis genutzt - aber nicht vom Staat geregelt. Das ist wie ein Auto, das auf der Straße fährt, aber ohne Versicherung, ohne Fahrzeugbrief und ohne Führerschein.
Was ist mit Steuern?
Hier ist die größte Unsicherheit: Wer Gewinne mit Krypto macht - zahlt er Steuern? Die Antwort: Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es gibt keine klare Regelung. Keine offizielle Anleitung. Keine Steuernummer für Krypto-Gewinne. Aber die Finanzbehörde könnte theoretisch jeden Gewinn als „sonstige Einkünfte“ einstufen und besteuern. Nur: Wie soll sie das überprüfen? Wenn du Bitcoin auf einer Börse in Singapur kaufst, sie auf einem Wallet in der Schweiz hältst und dann in Nordmazedonien verkaufst - wer weiß davon? Das ist kein Steuervorteil. Das ist ein Risiko. Denn eines Tages könnte die Regierung einfach sagen: „Alle Gewinne seit 2023 müssen nachgezahlt werden.“ Und plötzlich hast du eine Rechnung, die du nicht vorhergesehen hast.Wie sieht es im Vergleich zu anderen Ländern aus?
Estonia hat eine klare Krypto-Lizenz. Malta hat Krypto-Börsen als Teil der Wirtschaftspolitik gefördert. Beide Länder ziehen Unternehmen an, weil sie wissen: Hier ist alles legal, klar, überprüfbar. Nordmazedonien? Es ist das Gegenteil. Keine Lizenz. Keine Registrierung. Keine Transparenz. Das schreckt seriöse Unternehmen ab. Es zieht aber auch keine Kriminellen an - denn sie wollen auch nicht, dass ihre Transaktionen ungeschützt sind. Einige kleine Startups versuchen es trotzdem. Sie bauen Blockchain-Lösungen für Lieferketten, digitale Identitäten oder Wahl-Systeme. Aber sie arbeiten mit ausländischen Partnern. Sie nutzen Server im Ausland. Sie vermeiden jede Verbindung zur mazedonischen Finanzinfrastruktur. Weil sie wissen: Hier ist alles unsicher.Was kommt als Nächstes - 2026 und danach?
Die Regierung hat versprochen: Bis Mitte 2026 werden Krypto-Börsen lizenziert. Das bedeutet: Du kannst nur noch mit Plattformen handeln, die vom Staat genehmigt wurden. Sie müssen Anti-Geldwäsche-Regeln einhalten. Sie müssen deine Identität prüfen. Sie müssen deine Transaktionen protokollieren. Das klingt nach mehr Sicherheit - und das ist es auch. Aber es bedeutet auch: Das freie, dezentrale Internet von Krypto stirbt hier. Es wird zu etwas, das wie eine Bank aussieht. Und das ist genau das, was die EU will. Die Frage ist: Wird das funktionieren? Wenn die Lizenzierung langsam läuft, wenn die Regeln unklar bleiben, wenn die Steuern nicht klar sind - dann bleibt die Grauzone. Und die Menschen? Sie nutzen weiterhin ausländische Börsen. Sie halten ihre Coins auf Wallets. Sie warten ab.
Was solltest du tun - wenn du in Nordmazedonien lebst?
Wenn du Krypto kaufst:- Verwende nur ausländige Börsen - wie Binance, Kraken, Coinbase. Keine lokale Plattform gibt es noch.
- Halte deine Coins auf einem sicheren Wallet - nicht auf einer Börse. Niemand außer dir soll Zugriff haben.
- Dokumentiere alle Transaktionen - Datum, Betrag, Wert in Euro. Du wirst es brauchen, wenn die Steuern kommen.
- Vermeide Krypto als Zahlungsmittel - keine Zahlungen an lokale Firmen. Keine Miete, keine Rechnungen. Das ist ein Risiko.
- Sei vorsichtig mit „Krypto-Partnern“ - viele versprechen hohe Renditen. Das ist fast immer Betrug.
Warum ist das wichtig - nicht nur für Nordmazedonien?
Nordmazedonien ist kein Ausnahmefall. Es ist ein Modell. Für andere EU-Kandidaten: Serbien, Montenegro, Albanien. Sie alle stehen vor derselben Frage: Wie viel Freiheit? Wie viel Kontrolle? Wie viel EU? Wenn Nordmazedonien es schafft, eine klare, faire, aber auch sichere Regulierung aufzubauen - dann könnte es ein Vorbild werden. Wenn es scheitert - dann bleibt es ein Land, in dem Krypto zwar legal ist, aber niemand weiß, wie lange das noch so bleibt.Was ist das größte Risiko?
Das größte Risiko ist nicht der Preisverfall. Nicht der Betrug. Nicht die Börsen. Das größte Risiko ist die Unsicherheit. Die Angst, dass morgen plötzlich alles verboten ist. Dass dein Wallet eingefroren wird. Dass dein Gewinn als Steuerschulden zurückverlangt wird. Dass du ohne Warnung auf dem Schaden sitzen bleibst. Das ist das wahre Verbot: Nicht das Verbot von Bitcoin. Sondern das Verbot von Vertrauen.Ist der Handel mit Kryptowährungen in Nordmazedonien legal?
Der Handel mit Kryptowährungen ist in Nordmazedonien nicht ausdrücklich verboten, aber auch nicht offiziell erlaubt. Du kannst Krypto kaufen, verkaufen und halten - aber du darfst sie nicht als Zahlungsmittel verwenden. Banken und Zahlungsdienste dürfen Krypto nicht akzeptieren. Die rechtliche Lage ist unklar, da es kein spezifisches Gesetz gibt.
Können mazedonische Banken Kryptowährungen annehmen?
Nein. Die Nationalbank von Nordmazedonien (NBRM) hat mehrfach klargestellt, dass Kryptowährungen keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind. Keine mazedonische Bank, Sparkasse oder Zahlungsdienstleister darf Krypto als Zahlungsmittel akzeptieren, speichern oder überweisen. Alle Transaktionen laufen über ausländische Plattformen.
Wird der Gewinn aus Kryptowährungen in Nordmazedonien besteuert?
Es gibt keine klare Regelung. Der Staat hat bisher keine offiziellen Steuerrichtlinien für Krypto-Gewinne veröffentlicht. Theoretisch könnte der Gewinn als „sonstige Einkünfte“ besteuert werden - aber es gibt keine Meldepflicht, keine Kontrolle und keine offizielle Anleitung. Das bedeutet: Du bist auf dich selbst gestellt. Dokumentiere alle Transaktionen, falls sich die Regeln ändern.
Wann kommen neue Gesetze für Kryptowährungen in Nordmazedonien?
Die Regierung plant, bis Ende 2025 ein neues Gesetz vorzulegen, das sich stark an der EU-Regelung MiCA orientiert. Ab 2026 sollen Krypto-Börsen und Dienstleister eine Lizenz benötigen, um in Nordmazedonien zu operieren. Das ist ein wichtiger Schritt zur EU-Anpassung, aber es wird noch mindestens ein Jahr dauern, bis die Regeln vollständig umgesetzt sind.
Sollte ich als Nordmazedonier Kryptowährungen kaufen?
Wenn du dich entscheidest, Krypto zu kaufen, tue es mit Augenmaß. Nutze nur vertrauenswürdige, ausländische Börsen wie Binance oder Kraken. Speichere deine Coins auf einem privaten Wallet. Dokumentiere alle Transaktionen. Vermeide es, Krypto als Zahlungsmittel zu nutzen. Und sei bereit, dass sich die Regeln jederzeit ändern können - mit oder ohne Vorwarnung.
Warum nutzen Menschen in Nordmazedonien Kryptowährungen trotz der Unsicherheit?
Viele nutzen Krypto, weil es praktisch ist. Tausende Nordmazedonier arbeiten im Ausland und schicken Geld nach Hause. Traditionelle Überweisungen kosten bis zu 10 % Gebühren. Mit Krypto können sie es für unter 1 % übermitteln. Ein mazedonisches Startup hat eine Blockchain-Lösung dafür entwickelt - ohne staatliche Unterstützung, aber mit großer Nachfrage. Krypto ist hier ein Werkzeug der Notwendigkeit - nicht der Spekulation.