Seit dem 30. Juni 2025 gilt in Singapur eine neue Regelung, die alle Krypto-Börsen vor eine harte Entscheidung stellt: Entweder man erfüllt die strengen Lizenzanforderungen - oder man hört auf zu operieren. Es gibt keine Übergangsfrist, keine Ausnahmen. Wer vorher nur ausländische Kunden bedient hat und dachte, er könne sich um eine Lizenz herumdrücken, ist jetzt illegal. Die Monetary Authority of Singapore (MAS) hat endgültig klargemacht: Singapur wird kein Steueroase oder Regulierungsloch für Krypto-Unternehmen sein.
Was hat sich wirklich geändert?
Früher konnten Krypto-Börsen in Singapur registriert sein, aber nur Kunden außerhalb des Landes bedienen. Das war ein Schlupfloch - und die MAS hat es zugemacht. Mit dem Financial Services and Markets Act (FSMA) 2022, der am 30. Juni 2025 in Kraft trat, wurden alle Digital Token Service Providers (DTSP) unter eine einheitliche Lizenzpflicht gestellt. Das bedeutet: Ob du nur 100 Kunden in Indonesien oder 100.000 in Europa bedienst - wenn du in Singapur ansässig bist, brauchst du eine Lizenz. Keine Ausnahmen. Keine Grauzonen.Welche Lizenzen gibt es?
Die MAS unterscheidet drei Arten von Lizenzen, abhängig von der Größe und dem Umfang der Aktivitäten:- Standard Payment Institution License: Für kleinere Börsen mit monatlich bis zu 3 Millionen SGD an Transaktionen. Mindestkapital: 100.000 SGD. Erforderlich sind einfache KYC-Verfahren, regelmäßige Berichterstattung und grundlegende Risikomanagement-Systeme.
- Major Payment Institution License: Für große Börsen mit mehr als 3 Millionen SGD monatlich. Mindestkapital: 250.000 SGD. Hier kommen zusätzliche Anforderungen: umfassende interne Audits, fortgeschrittene Transaktionsüberwachung, strenge Sicherheitsprotokolle für Kundengelder und jährliche externe Prüfungen.
- Exempt Payment Service Provider: Für sehr spezifische, niedrigrisikobehaftete Aktivitäten - etwa die Abwicklung von Krypto-Transfers zwischen eigenen Konten. Keine Lizenz nötig, aber eine Mitteilung an die MAS und strenge Einschränkungen bei den Transaktionen.
Die meisten Krypto-Börsen, die seriös arbeiten wollen, müssen sich für die erste oder zweite Lizenz entscheiden. Die Exempt-Kategorie ist für echte Börsen nicht relevant - sie gilt nur für Nischenanwendungen.
Was muss man wirklich vorlegen?
Eine Lizenz zu bekommen ist kein Formular, das man in einer Stunde ausfüllt. Die MAS verlangt eine ganze Akte - und zwar detailliert:- Einen vollständigen Geschäftsplan mit klarem Geschäftsmodell, Umsatzprognosen, Marketingstrategie und technischer Infrastruktur.
- KYC- und AML-Richtlinien, die genau beschreiben, wie Kunden identifiziert, überwacht und bei Verdacht auf Geldwäsche gemeldet werden.
- Interne Richtlinien für den Umgang mit Kryptowährungen: Wie werden Wallets gesichert? Wie werden Auszahlungen geprüft? Wie wird der Zugriff auf Konten kontrolliert?
- Eine Risikoanalyse: Welche Bedrohungen gibt es? Wie werden Hackerangriffe, Marktschwankungen oder technische Ausfälle abgefangen?
- Beweise für das Mindestkapital - entweder durch Banknachweise oder verbindliche Finanzierungsversprechen.
- Jährliche Prüfberichte von externen Wirtschaftsprüfern, die die finanzielle Gesundheit und Compliance bestätigen.
Viele Anträge werden zurückgewiesen - nicht weil das Unternehmen schlecht ist, sondern weil die Unterlagen unvollständig, unklar oder inkonsistent sind. Einige Firmen brauchen drei bis fünf Runden, bis die MAS zufrieden ist.
Wie lange dauert es?
Die Wartezeit ist lang - und das ist bewusst so.- Standard-Lizenz: 3 bis 6 Monate - mit guter Beratung.
- Major-Lizenz: 6 bis 12 Monate - oft länger, wenn die MAS Nachfragen hat.
Es gibt keine Eilbearbeitung. Die MAS prüft nicht nur die Dokumente - sie prüft die Leute. Wer hinter dem Unternehmen steht, welche Erfahrungen sie haben, ob es frühere Strafverfahren gab - alles wird gecheckt. Wer glaubt, er könne mit einem Anwalt und einem schnellen PDF eine Lizenz bekommen, irrt sich.
Wie vergleicht sich Singapur mit anderen Ländern?
Singapur ist nicht die strengste - aber sie ist eine der klarsten.- Europa (MiCA): Die EU hat auch Regeln, aber die Umsetzung läuft bis 2026. Singapur hat schon jetzt alles umgesetzt - ohne Übergangsfrist.
- USA: Hier gibt es kein einheitliches System. Jeder Bundesstaat hat eigene Regeln. Das macht es komplizierter als in Singapur, wo es nur eine Aufsichtsbehörde gibt.
- Schweiz: Die Anforderungen sind höher - oft mehrere Millionen Schweizer Franken Kapital nötig. Singapur ist für mittelgroße Unternehmen zugänglicher.
- Hongkong: Hat ebenfalls eine Lizenzordnung eingeführt, aber später als Singapur. Die MAS hat hier einen klaren Vorsprung.
- China: Krypto-Börsen sind komplett verboten. Singapur ist der Gegensatz: kein Verbot - aber strenge Regeln.
Das macht Singapur attraktiv für Unternehmen, die klare Regeln wollen - aber nicht in einer juristischen Wildnis operieren möchten.
Was passiert mit Unternehmen, die nicht lizenziert sind?
Nach dem 30. Juni 2025 ist jede unregistrierte Krypto-Börse illegal. Die MAS hat keine Geduld mehr. Sie kann:- Die Website blockieren - innerhalb von Stunden.
- Bankkonten einfrieren - auch bei lokalen Banken in Singapur.
- Personen strafrechtlich verfolgen - wenn sie als Verantwortliche identifiziert werden.
- Unternehmen auf schwarze Listen setzen - was auch international Folgen hat.
Einige kleine Börsen haben einfach aufgehört. Andere haben sich verlegt - nach Malta, Dubai oder Georgien. Wer aber in Singapur bleiben will, muss jetzt zahlen, arbeiten und dokumentieren - oder gehen.
Wie reagiert die Branche?
Die Reaktionen sind gemischt.Größere Börsen wie Kraken oder Binance haben ihre Singapur-Operationen umgebaut - mit eigenen Compliance-Teams, externen Anwälten und jährlichen Prüfungen. Sie sehen die Regulierung als Chance: Klarheit zieht institutionelle Investoren an.
Andere, besonders kleinere, retail-orientierte Plattformen, klagen über die Kosten. Einige berichten von 50.000 bis 150.000 SGD an Beratungs- und Anwaltskosten - nur für die Antragstellung. Einige haben aufgegeben. Auf Reddit und Telegram tauschen sich betroffene Betreiber aus: „Es fühlt sich an, als würde man ein Auto bauen, während man gleichzeitig den Führerschein macht.“
Experten wie Chengyi Ong von Chainalysis sagen: „MAS setzt einen klaren Grenzstein: Finanzielle Integrität ist kein Verhandlungspunkt.“ Die Regierung will nicht, dass Singapur als „Hinterhof“ für kriminelle Krypto-Operationen gilt - nach dem Skandal um Three Arrows Capital und Terraform Labs, die beide aus Singapur operierten, aber globale Verluste verursachten.
Was kommt als Nächstes?
Die MAS hat klargemacht: Dies ist nicht das Ende - sondern der Anfang. Sie hat gesagt: „Wir werden Lizenzen nicht für Unternehmen vergeben, die nur ausländische Kunden bedienen und keine echte Präsenz in Singapur haben.“Das bedeutet: Wer nur einen Briefkasten in Singapur hat, wird nie eine Lizenz bekommen. Wer aber ein echtes Team, echte Büros und echte Compliance-Systeme vorweisen kann, hat eine echte Chance.
Die nächsten Schritte könnten sein:
- Erhöhung des Mindestkapitals auf 500.000 SGD für Major-Lizenzen.
- Pflicht zur Versicherung gegen Hackerangriffe oder Kundenverluste.
- Regelmäßige Live-Prüfungen durch MAS-Inspektoren - nicht nur Dokumente, sondern echte Systemtests.
Singapur will kein Krypto-Paradies sein - es will ein reguliertes Krypto-Zentrum. Und das macht es für seriöse Anbieter attraktiv. Für alle anderen - wird es immer schwieriger.
Was bedeutet das für dich?
Wenn du eine Krypto-Börse in Singapur betreiben willst:- Starte nicht mit einem Businessplan - starte mit einem Compliance-Experten.
- Verstehe: Es geht nicht um Technik - es geht um Dokumente, Prozesse und Nachweise.
- Bereite dich auf 6-12 Monate vor - und mindestens 100.000 SGD an Kosten.
- Wenn du nur ausländische Kunden hast: Du brauchst trotzdem eine Lizenz. Punkt.
- Wenn du nicht bereit bist, dich vollständig zu offenbaren - dann geh nicht nach Singapur.
Die Zeiten, in denen man mit einem Laptop und einer Webseite Kryptowährungen handeln konnte, sind vorbei. Singapur hat den Schalter umgelegt. Wer jetzt mitmachen will, muss spielen - nach den Regeln der MAS.
Brauche ich eine Lizenz, wenn ich nur ausländische Kunden habe?
Ja. Seit dem 30. Juni 2025 gilt: Jede Krypto-Börse, die ihren Sitz in Singapur hat - egal ob sie Kunden in Singapur, Indonesien oder Deutschland bedient - benötigt eine Lizenz von der MAS. Das Schlupfloch für ausländische Kunden wurde geschlossen. Wer ohne Lizenz operiert, verstößt gegen das Gesetz.
Wie viel kostet eine Krypto-Lizenz in Singapur?
Die Lizenz selbst kostet keine Gebühr - aber die Vorbereitung schon. Mindestkapital beträgt 100.000 SGD (Standard) oder 250.000 SGD (Major). Dazu kommen 50.000 bis 150.000 SGD an Anwalts-, Compliance- und Beratungskosten. Jährliche Prüfungen und interne Systeme erhöhen die laufenden Kosten. Insgesamt rechnen Unternehmen mit 100.000-300.000 SGD für den Start.
Kann ich die Lizenz online beantragen?
Nein. Der Antrag muss schriftlich eingereicht werden - mit vollständigen Dokumenten, unterschriebenen Erklärungen und Nachweisen. Die MAS akzeptiert keine einfachen Online-Formulare. Die Prüfung erfolgt manuell, oft mit mehreren Rückfragen. Es gibt keine Eilbearbeitung.
Was passiert, wenn ich ohne Lizenz weitermache?
Deine Website wird blockiert, deine Bankkonten in Singapur eingefroren, und du kannst strafrechtlich belangt werden. Die MAS arbeitet mit lokalen Banken und Internetanbietern zusammen, um unerlaubte Anbieter schnell zu identifizieren und abzuschalten. Die Konsequenzen sind schwerwiegend - und international sichtbar.
Ist Singapur noch ein guter Ort für Krypto-Unternehmen?
Ja - aber nur für Unternehmen, die bereit sind, richtig zu arbeiten. Singapur bietet Rechtssicherheit, politische Stabilität und Zugang zu asiatischen Märkten. Wer Compliance als Kosten sieht, wird scheitern. Wer Compliance als Wettbewerbsvorteil nutzt, kann hier langfristig erfolgreich sein - besonders wenn institutionelle Kunden anziehen.
1 Kommentare
Ich hab’s gerade gelesen – das ist ja Wahnsinn, wie die MAS jetzt durchgreift. Endlich mal jemand, der nicht nur redet, sondern handelt. Ich hab letztes Jahr eine Börse gegründet, dachte, wir sind ja nur für Ausländer – und jetzt? Alles weg. Kein Stress, aber echt hart für kleine Teams.