Vauld war einmal eine der vielversprechendsten Krypto-Plattformen der Welt. Mit hohen Zinsen, einfachem Trading und einem Design, das wie eine Bank aussah, lockte sie Tausende von Nutzern an. Doch heute ist Vauld nicht mehr existent. Es gibt keine App, keine Website, keine Antwort von Kundensupport. Nur noch eine leere Hülle und Millionen von Nutzern, die ihr Geld nicht zurückbekommen haben. Dies ist keine fiktive Geschichte. Es ist die wahre Geschichte von Vauld - und was sie uns über Krypto-Lending lehrt.
Was war Vauld wirklich?
Vauld startete 2018 als Bank of Hodlers und nannte sich bald selbst eine „Krypto-Bank“. Das Ziel war klar: Nutzern ermöglichen, ihre Kryptowährungen zu verleihen, Zinsen zu verdienen, Kredite aufzunehmen und zu handeln - alles an einem Ort. Mit einem Team aus drei Gründern aus Singapur und Investoren wie Pantera Capital und Coinbase Ventures, wirkte Vauld wie ein seriöses Unternehmen. Es bot über 275 Kryptowährungen an - deutlich mehr als die meisten Konkurrenten damals. Bitcoin, Ethereum, Solana, sogar kleine Altcoins - alles war verfügbar. Die Mindesteinzahlung lag bei nur einem Dollar. Keine Grenzen nach oben. Das klang zu gut, um wahr zu sein.
Die Zinsen waren der Hauptreiz. Bis zu 12 % jährlich auf Einlagen, mit täglicher Zinsberechnung und wöchentlicher Auszahlung. Im Vergleich zu anderen Plattformen, die nur monatlich zahlen, war das ein großer Vorteil. Wer 10.000 USDC einzahlte, bekam jede Woche etwa 20 USDC Zinsen. Das war mehr als viele Banken in der ganzen Welt bieten. Vauld bot auch feste Einlagen mit Laufzeiten von 1, 3 oder 6 Monaten an. Höhere Zinsen - und keine Strafen, wenn man vorzeitig ausstieg. Das klang nach Flexibilität. Doch hinter dieser Flexibilität verbarg sich ein gefährliches Geschäftsmodell.
Wie hat Vauld Geld verdient?
Vauld hat nicht durch Handelsgebühren Geld verdient. Die Gebühren lagen bei 0,10 % - genauso wie bei Binance. Das war kein Gewinnbringer. Stattdessen nahm Vauld die Einlagen der Nutzer, wandelte sie in Stablecoins um und verlieh sie an andere Krypto-Firmen. Diese Firmen nutzten das Geld für Arbitrage, Margin-Trading oder andere risikoreiche Strategien. Vauld verlangte 150 % Sicherheit von den Leihnehmern. Das heißt: Für einen Kredit von 100 USDT musste jemand 150 USDT an Krypto hinterlegen. Klingt sicher? Nicht, wenn der Wert der Sicherheit innerhalb von Stunden um 50 % einbricht.
Das Problem war: Vauld wusste nicht, an wen genau es sein Geld verlieh. Es gab keine Transparenz. Die größten Kreditnehmer waren später Celsius Network und Three Arrows Capital - beide sind im Jahr 2022 zusammengebrochen. Als der Kryptomarkt im Mai 2022 nach dem Untergang von Terra/Luna in einen „Crypto-Winter“ fiel, stürzten die Preise der Sicherheiten ab. Die Leihnehmer konnten ihre Schulden nicht mehr bedienen. Vauld hatte keine Reserven. Keine Liquidität. Keine Rücklagen. Und plötzlich war das Geld der Nutzer nicht mehr da.
Die Sicherheit - ein trügerisches Gefühl
Vauld verwendete BitGo als Custodian, eine etablierte Firma für institutionelle Krypto-Speicherung. Das klang beruhigend. Doch BitGo verwahrte nur die Krypto - nicht das Geld, das Vauld verlieh. Die Verleihung erfolgte außerhalb der Custody. Das heißt: Die Sicherheit war nur ein Teil der Geschichte. Die echte Gefahr lag in der Kreditvergabe. Und hier gab es keine Audits, keine öffentlichen Berichte, keine Transparenz. Die Nutzer glaubten, ihr Geld sei sicher aufbewahrt. Tatsächlich war es in riskante Kredite investiert, die sie nicht sehen konnten.
Einige Nutzer berichteten, dass sie ihre Einlagen als „Cold Storage“ verstanden. Doch Vauld hatte kein klassisches Cold Storage-System. Die meisten Kryptowährungen waren in Hot Wallets oder direkt verliehen. Selbst wenn 90 % der Einlagen in Cold Storage gewesen wären - die restlichen 10 % waren bereits verliehen. Und bei einem massiven Ausfall, wie er 2022 geschah, reichten 10 % nicht aus, um Auszahlungen zu decken.
Die Nutzererfahrung - von Begeisterung zu Verzweiflung
Vor dem Zusammenbruch war Vauld beliebt. Nutzer auf Reddit und SourceForge lobten die einfache Benutzeroberfläche, die wöchentlichen Zinsen und die große Auswahl an Coins. Ein Nutzer namens u/CryptoSaver99 schrieb: „Ich bekam meine USDC-Zinsen jeden Freitag wie eine Uhr.“ Das war der Traum: passives Einkommen, ohne zu handeln.
Doch am 27. Juni 2022 änderte sich alles. Vauld stellte alle Einzahlungen, Auszahlungen und Handelsfunktionen ein. Die Begründung: „Extrem schwierige Marktbedingungen.“ Keine Details. Kein Zeitplan. Keine Erklärung, wie viel Geld verloren war. Die Nutzer waren plötzlich hilflos. Die App funktionierte noch - aber man konnte nichts mehr tun. Die Website zeigte nur noch eine Wartungsnachricht.
Innerhalb von drei Wochen verschwand der Kundensupport. Anfragen blieben unbeantwortet. In Indien wurden über 1.200 Beschwerden bei der Cybercrime-Plattform eingereicht. Auf Reddit wurde ein Thread mit dem Titel „Vauld Users - What happened to our funds?“ mit über 5.000 Kommentaren gefüllt. „Ich hatte 2,3 BTC in einer 3-Monats-Festeinlage - jetzt ist alles weg“, schrieb ein Nutzer. „Sie versprachen, es in 72 Stunden zu lösen. Jetzt ist es drei Wochen still.“
Trustpilot fiel von 4,2 auf 1,1 von 5 Sternen. 89 % der Bewertungen nach Juli 2022 beschrieben denselben Zustand: „Geld eingefroren“, „keine Kommunikation“, „betrogen“.
Warum ist Vauld gescheitert - und warum nicht andere?
Viele andere Plattformen wie BlockFi oder Celsius brachen ebenfalls zusammen. Aber Vauld hatte einige Besonderheiten, die es besonders anfällig machten:
- Zu viele Kryptowährungen: Über 275 Coins bedeuteten, dass Vauld kaum Kontrolle über die Preise hatte. Kleine Altcoins konnten innerhalb von Stunden komplett wertlos werden - und die Sicherheit war plötzlich ungenügend.
- Keine Liquiditätsreserven: Vauld hatte keine Cash-Reserven. Alles wurde verliehen. Kein Puffer bei Krisen.
- Keine Transparenz: Keine Veröffentlichung von Kreditnehmern, keine Audits, keine Berichte. Nutzer vertrauten blind.
- Zu viel Abhängigkeit von einem Markt: Vauld verlieh fast alles an andere Krypto-Firmen. Als diese fielen, fiel auch Vauld.
Gegenüber Börsen wie Binance oder Coinbase, die nur Handelsgebühren verdienen, war Vaulds Modell ein Zins-Game. Und solche Spiele enden immer dann, wenn die Märkte fallen. Die Zinsen waren zu hoch, weil das Risiko zu groß war. Die Nutzer zahlten den Preis - mit ihrem Geld.
Was bleibt nach Vauld?
Im August 2022 schätzte die Blockchain-Analysefirma Elliptic, dass weniger als 30 % der eingefrorenen Gelder - insgesamt über 190 Millionen US-Dollar - jemals zurückgezahlt werden. Die meisten Nutzer werden nichts wiedersehen. Rechtliche Verfahren laufen in Indien und den USA - aber die Chancen auf eine Rückzahlung sind minimal.
Vauld hat gezeigt, dass „Krypto-Banken“ kein echter Ersatz für traditionelle Banken sind. Sie sind nicht reguliert, nicht versichert, nicht transparent. Und sie verkaufen Zinsen, die zu gut klingen, um wahr zu sein. Wer 12 % Zinsen auf Krypto bekommt, zahlt mit dem Risiko, alles zu verlieren.
Die meisten Nutzer, die Vauld nutzten, waren keine Experten. Sie waren normale Leute, die einfach ein bisschen mehr aus ihrem Bitcoin machen wollten. Sie vertrauten dem Design, dem Namen, den Investoren. Sie dachten: „Wenn Coinbase und Pantera dahinterstehen, muss es sicher sein.“ Doch Investoren investieren nicht, um Ihr Geld zu schützen. Sie investieren, um Gewinn zu machen. Und wenn es schiefgeht, ist das Ihr Problem.
Was Sie jetzt tun sollten
Wenn Sie heute eine Krypto-Plattform nutzen, stellen Sie sich diese Fragen:
- Wie verdient die Plattform Geld? Wenn sie Zinsen zahlt, dann verleiht sie Ihr Geld. Wer ist der Schuldner? Ist das transparent?
- Wer verwahrt meine Kryptowährungen? Ist es ein unabhängiger Custodian? Oder ist das Geld direkt in der Plattform?
- Wie viel Risiko trage ich? Sind die Zinsen höher als 5-6 %? Dann ist das Risiko wahrscheinlich zu groß.
- Was passiert, wenn der Markt fällt? Hat die Plattform eine Notfallstrategie? Oder hängt alles von stabilen Preisen ab?
Vauld ist nicht der erste, und es wird nicht der letzte sein, der zusammenbricht. Die Krypto-Welt ist voller Unternehmen, die versprechen, Sie reich zu machen. Aber echte Sicherheit kommt nicht von hohen Zinsen. Sie kommt von Transparenz, Regulierung und einem klaren Geschäftsmodell - nicht von Versprechen.
Wenn Sie Kryptowährungen halten wollen: Nutzen Sie eine regulierte Börse, die nur handelt - nicht verleiht. Lagern Sie Ihre Coins in einer privaten Wallet. Und vergessen Sie nie: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein - dann ist es das auch.
Ist Vauld noch aktiv?
Nein, Vauld ist seit dem 27. Juni 2022 nicht mehr aktiv. Alle Funktionen - Einzahlungen, Auszahlungen, Handel - wurden eingestellt. Die Website zeigt nur noch eine Wartungsnachricht. Es gibt keine Kommunikation mehr vom Team. Vauld ist in der Praxis insolvent.
Kann ich mein Geld von Vauld zurückbekommen?
Die Chancen sind extrem gering. Laut Blockchain-Analysten wie Elliptic werden weniger als 30 % der eingefrorenen Gelder - insgesamt über 190 Millionen US-Dollar - jemals zurückgezahlt. Rechtsverfahren laufen, aber es gibt keine Garantie. Die meisten Nutzer werden ihr Geld nicht wiedersehen.
Warum hat Vauld so hohe Zinsen angeboten?
Vauld hat die Einlagen der Nutzer an andere Krypto-Firmen verliehen, die das Geld für risikoreiche Geschäfte nutzten - wie Margin-Trading oder Arbitrage. Die hohen Zinsen waren die Werbung, um mehr Geld von Nutzern zu bekommen. Je mehr Geld sie sammelten, desto mehr konnten sie verleihen - bis die Märkte einbrachen und die Schuldner zahlungsunfähig wurden.
Warum war Vauld beliebt, obwohl es riskant war?
Vauld wirkte professionell: hohe Investoren, einfache App, wöchentliche Zinsen, viele Coins. Nutzer verwechselten Design mit Sicherheit. Viele dachten, weil Coinbase oder Pantera investiert hatten, sei die Plattform sicher. Doch Investoren investieren nicht, um Ihre Einlagen zu schützen - sie investieren, um Gewinn zu machen. Die Risiken wurden nicht erklärt.
Was ist der größte Fehler, den Nutzer bei Krypto-Plattformen machen?
Sie vertrauen auf Zinsen statt auf Transparenz. Hohe Renditen sind kein Zeichen von Sicherheit - sie sind ein Warnsignal. Wenn eine Plattform mehr als 5-6 % Zinsen auf Kryptowährungen bietet, ist das Risiko hoch. Der größte Fehler ist, nicht zu fragen: „Wie verdient diese Plattform das Geld?“ und „Wohin geht mein Geld?“
2 Kommentare
Ach ja, die klassische Krypto-Bank-Show: Hochzinsen als Lockmittel, dann plötzlich Schweigen. Wer hätte gedacht, dass jemand 12 % Zinsen auf Stablecoins anbietet, ohne dass er dafür einen Zauberstab hat? Die echte Frage ist nicht, warum Vauld scheiterte - sondern warum so viele Leute glaubten, sie wären Teil einer Bank, und nicht eines Roulette-Spiels mit Bitcoin als Kugel.
Es ist erschreckend, wie oft das gleiche Muster wiederkehrt: hohe Renditen = hohe Risiken. Vauld hat nicht betrogen - es hat nur die Realität der Kreditvergabe ignoriert. Wenn du dein Geld an jemanden verleihst, der es für Margin-Trading nutzt, und du keine Ahnung hast, wer dieser Jemand ist, dann bist du kein Anleger - du bist ein Glücksritter mit einem Smartphone. Transparenz wäre nicht schwer gewesen: Publiziere die Kreditnehmer, zeige die Reserven, lass Audits machen. Stattdessen: Marketing-Flair und Schweigen.