Was Sie wirklich brauchen, um in Venezuela legal Krypto-Mining zu betreiben
Wenn Sie in Venezuela Krypto-Mining betreiben wollen, dann müssen Sie sich auf ein System einstellen, das nicht nur kompliziert ist - es ist kontrolliert. Von der Regierung. Bis ins letzte Detail. Es gibt keine Freiheit hier, wie in anderen Ländern. Keine anonymen Miner. Keine privaten Farmen ohne Genehmigung. Wer hier mit Bitcoin, Ethereum oder anderen Kryptowährungen Geld verdienen will, muss sich an die Regeln halten - oder verliert alles: die Maschinen, das Geld, sogar die Freiheit.
Der Schlüssel dazu ist SUNACRIP, die Nationale Aufsichtsbehörde für Kryptowerte und verwandte Aktivitäten. Sie wurde 2018 gegründet, 2019 neu strukturiert, im März 2023 vorübergehend geschlossen, und im März 2024 wiederbelebt - aber mit neuen Regeln. Und das ist kein Zufall. Die Regierung will nicht nur Steuern eintreiben. Sie will die Kontrolle über die gesamte Mining-Industrie haben.
Die drei unumgänglichen Schritte für eine Lizenz
Es gibt nur einen Weg, legal zu minen: Sie müssen drei Dinge erfüllen - und zwar alle. Keine Ausnahmen.
- Ein Unternehmen gründen. Privatpersonen dürfen nicht direkt minen. Sie brauchen eine offiziell registrierte Firma in Venezuela - mit Handelsregister, Steuernummer und Geschäftssitz. Selbst wenn Sie nur eine einzige ASIC-Maschine haben, müssen Sie sie als Geschäftstätigkeit anmelden.
- Die Lizenz bei SUNACRIP beantragen. Der Antrag dauert zwischen drei und sechs Monate. Sie müssen detaillierte Unterlagen einreichen: Technische Spezifikationen aller Mining-Geräte, Stromverbrauchsprognosen, Standortpläne, Finanzpläne und eine Erklärung, wie Sie die AML/KYC-Vorgaben erfüllen. Jedes Gerät muss einzeln aufgelistet werden - inklusive Seriennummer und Kaufbeleg.
- Sich dem Nationalen Digitalen Mining-Pool anschließen. Das ist der entscheidende Punkt. Alle Mining-Erträge müssen über diesen staatlich kontrollierten Pool fließen. Sie können nicht selbst in einen privaten Pool einsteigen. Nicht einmal in einen internationalen. Der Pool verbindet sich automatisch mit Ihren Geräten, protokolliert jede Hashrate, zahlt Ihre Belohnungen aus - und behält das Recht, Zahlungen jederzeit einzufrieren.
Wer das nicht macht, riskiert nicht nur Geldstrafen. Die Behörden können Ihre Maschinen beschlagnahmen. Sie können Ihre Bankkonten einfrieren. Und in extremen Fällen - wie es 2023 bei einigen illegalen Minern geschah - wird die Polizei mit Durchsuchungsbefehlen vor der Tür stehen.
Warum der Nationale Mining-Pool das Herz des Systems ist
Der Nationaler Digitaler Mining-Pool, ein zentralisiertes System, das alle Mining-Aktivitäten Venezuelas bündelt und kontrolliert, ist das, was Venezuela von jedem anderen Land unterscheidet. In den USA, Deutschland oder Kasachstan minen Leute, wo sie wollen. In Venezuela minen Sie nur, wenn die Regierung es erlaubt - und wie sie es erlaubt.
Dieser Pool ist kein Hilfsmittel. Er ist eine Waffe. Die Regierung kann:
- Alle Mining-Erträge erfassen - jede einzelne Bitcoin-Transaktion, die aus Ihrem Gerät kommt
- Zahlungen an Sie verschieben - ohne Begründung, ohne Frist
- Steuerabzüge vornehmen - direkt vor der Auszahlung
- Miner aus dem System sperren - und ihre Geräte für „technische Überprüfungen“ beschlagnahmen
Ein Miner aus Caracas berichtete im Januar 2025, dass er seit acht Monaten keine Zahlung mehr erhalten hat. Keine Erklärung. Keine E-Mail. Kein Anruf. Als er SUNACRIP kontaktierte, erhielt er nur eine Standardantwort: „Ihr Fall wird geprüft.“
Das ist kein Fehler. Das ist System.
Die Steuern: Mehr als 20 % können wegfließen
Steuerlich gesehen ist Venezuela kein freundlicher Ort für Miner. Es gibt keine spezielle Krypto-Steuer. Stattdessen werden Kryptowährungen als Vermögenswerte behandelt - und das bedeutet: Sie zahlen, wenn Sie verdienen, verkaufen oder sogar nur auszahlen.
Die drei Hauptsteuern, die Sie erwarten:
- IGTF (Große Finanztransaktionssteuer): Bis zu 20 % auf alle Transaktionen, die nicht in Bolívar oder Petro abgewickelt werden. Wenn Sie Bitcoin verkaufen, um Strom zu bezahlen - zahlen Sie 20 %.
- ISLR (Einkommensteuer): Auf Gewinne aus Mining. Das heißt: Wenn Sie 1 BTC minen und ihn später für 50.000 USD verkaufen, zahlen Sie Einkommensteuer auf den Gewinn - nicht nur auf den Verkaufserlös.
- VAT (Mehrwertsteuer): 16 % auf Dienstleistungen - also zum Beispiel auf Wartung, Hosting oder Cloud-Dienste für Ihren Miner.
Die Steuerbehörde SENIAT, der nationale Zoll- und Steuerdienst Venezuelas überwacht alles. Sie nutzen Blockchain-Analysen, KYC-Daten von Börsen und sogar Daten von Stromversorgern, um illegale Miner zu finden. Im Jahr 2025 sollen diese Überwachungssysteme noch viel präziser werden.
Die 10-Jahres-Aufbewahrung: Ein bürokratischer Albtraum
Wenn Sie eine Lizenz haben, müssen Sie alles dokumentieren - und zwar für zehn Jahre. Nicht drei. Nicht fünf. Zehn.
Dazu gehören:
- Alle Rechnungen für Mining-Hardware
- Stromverbrauchsprotokolle (pro Tag)
- Alle Auszahlungen aus dem Nationalen Pool
- Alle Transaktionen, die Sie mit Ihren Mining-Erträgen tätigen
- Technische Logs der Geräte
- Alle Kommunikation mit SUNACRIP
Das ist kein Job für jemanden mit Excel. Das ist ein Job für einen Buchhalter mit Spezialsoftware. Und wenn Sie auch nur eine einzige Zahl vergessen - oder ein Dokument verlieren - können Sie als „nicht kompliant“ eingestuft werden. Und das bedeutet: Lizenzentzug, Geldstrafe, oder beides.
Was wirklich passiert, wenn Sie nicht mitspielen
Es gibt eine klare Botschaft: Wer nicht im Pool ist, ist illegal.
Im Jahr 2023 wurden über 400 Mining-Farmen geschlossen - nicht wegen Strommangel, sondern wegen fehlender Lizenz. Die Geräte wurden beschlagnahmt. Die Besitzer wurden zur Befragung vorgeladen. Einige wurden angeklagt, weil sie „Währungskontrolle umgangen“ hätten.
Und es gibt keine „kleinen“ Miner mehr. Selbst wer nur 500 Watt verbraucht - eine einzige ASIC-Maschine - muss sich registrieren. Die Regierung hat keine Toleranz mehr für Grauzonen. Die Ära der „Hobby-Miner“ ist vorbei.
Die Realität: Ein System, das nicht funktioniert - aber kontrolliert
Die Regierung sagt, sie fördere Blockchain-Innovation. Aber die Praxis sagt etwas anderes.
SUNACRIP war 2023 wegen Korruption aufgelöst - ein Beamter soll über 3 Millionen Dollar aus dem Mining-Fonds gestohlen haben. Die Behörde wurde neu aufgebaut, aber die gleichen Leute sitzen noch immer an den Schaltern. Die Verfahren sind langsam. Die Kommunikation ist unklar. Die Entscheidungen sind willkürlich.
Und trotzdem: Wer hier minen will, hat keine Wahl. Die Strompreise sind niedrig. Die Inflation hat die Bolívar-Währung zerstört. Kryptowährungen sind die einzige Hoffnung für viele. Aber die Regierung hat beschlossen, diese Hoffnung zu kontrollieren - nicht zu schützen.
Die meisten Miner, die mit uns gesprochen haben, sagen dasselbe: „Wir minen nicht, weil wir es wollen. Wir minen, weil wir keine andere Möglichkeit haben.“
Was Sie jetzt tun müssen - wenn Sie es wirklich versuchen wollen
Wenn Sie trotz allem entscheiden, in Venezuela zu minen, dann tun Sie das nicht halbherzig.
- Holen Sie sich einen lokalen Anwalt. Jemand, der mit SUNACRIP und SENIAT gearbeitet hat. Kein Online-Berater. Kein Blog. Ein echter Anwalt in Caracas oder Maracaibo.
- Verwenden Sie nur zugelassene Geräte. Importierte ASICs müssen genehmigt werden. Keine „privaten“ Einheiten. Keine Second-Hand-Maschinen ohne Papiere.
- Setzen Sie ein digitales Archivsystem auf. Speichern Sie alles - und sichern Sie es. Cloud-Speicher reicht nicht. Nutzen Sie physische Backups, verschlüsselt und gesichert.
- Bereiten Sie sich auf Verzögerungen vor. Zahlungen können Monate ausbleiben. Planen Sie Ihre Kosten so, dass Sie 6-12 Monate ohne Einkommen überleben können.
- Vermeiden Sie jede Form von Offshore-Transfers. Selbst wenn Sie Ihre Einnahmen auf Binance oder Coinbase auszahlen - das ist ein rotes Signal für SENIAT. Bleiben Sie im System.
Es gibt keinen einfachen Weg. Es gibt keinen sicheren Weg. Aber es gibt einen legalen Weg - und der ist nur für die bereit, die bereit sind, alles zu akzeptieren: Kontrolle, Unsicherheit, Bürokratie - und die Angst, dass morgen alles anders sein könnte.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft ist ungewiss. Die Regierung arbeitet mit einer neuen privaten Gruppe namens CAVEMCRIP, einer branchenbezogenen Beratungsgruppe, die in die Regulierung eingebunden wurde zusammen. Das könnte mehr Transparenz bringen - oder nur eine neue Fassade.
Die USA und die EU verhängen Sanktionen. Die Inflation bleibt hoch. Die Stromversorgung ist instabil. Und die Menschen minen weiter - nicht weil sie glauben, dass das System fair ist, sondern weil sie keine andere Wahl haben.
In Venezuela ist Krypto-Mining nicht eine Technologie-Revolution. Es ist eine Überlebensstrategie - unter totaler Kontrolle.
Kann ich als Ausländer in Venezuela Krypto-Mining betreiben?
Nein, nicht direkt. Ausländer dürfen keine Mining-Lizenzen erhalten, es sei denn, sie gründen eine venezolanische Gesellschaft mit mindestens 51 % lokalem Kapital. Die meisten internationalen Unternehmen vermeiden Venezuela deshalb komplett - wegen der Rechtsunsicherheit, der Korruptionsrisiken und der hohen Compliance-Kosten.
Wie lange dauert die Lizenzgenehmigung wirklich?
Offiziell 3-6 Monate. In der Praxis kann es 8-14 Monate dauern - besonders, wenn SUNACRIP personell unterbesetzt ist. Viele Anträge werden ohne Erklärung zurückgewiesen oder verschoben. Es gibt keine klare Frist, und keine Beschwerdemöglichkeit.
Was passiert, wenn ich meine Geräte verkaufe?
Sie müssen SUNACRIP über den Verkauf informieren - und die Geräte aus Ihrem RIM-Register entfernen lassen. Wenn Sie die Geräte ohne Genehmigung verkaufen, gelten Sie als „unbefugter Transaktionsvermittler“. Das kann zu Geldstrafen oder sogar strafrechtlichen Konsequenzen führen.
Kann ich meine Mining-Erträge in Bitcoin auszahlen lassen?
Nur wenn Sie sie im Nationalen Pool behalten und dann über eine staatlich zugelassene Börse in Bolívar oder Petro umtauschen. Direkte Auszahlungen in Bitcoin an private Wallets sind verboten. Jede Transaktion außerhalb des Systems wird als Steuerhinterziehung gewertet.
Gibt es eine Möglichkeit, legal zu minen, ohne den Nationalen Pool?
Nein. Der Nationale Mining-Pool ist eine zwingende Voraussetzung für jede Lizenz. Jede Form von Mining außerhalb dieses Systems ist illegal - egal wie klein oder unscheinbar sie erscheint. Selbst ein Miner mit 100 Watt wird erfasst, wenn er mit dem Netz verbunden ist.
4 Kommentare
Was hier passiert, ist keine Regulierung. Das ist der totale Überwachungsstaat mit ASICs. Die Regierung hat erkannt, dass Krypto die einzige Währung ist, die noch funktioniert – und sie hat beschlossen, sie zu kapern, statt sie zu nutzen. Es geht nicht um Steuern. Es geht um Macht. Jeder Hash, den du erzeugst, wird protokolliert, gemessen, kontrolliert. Du bist kein Miner. Du bist ein Sensor in einem digitalen Gefängnis.
Interessant, wie die Institutionen, die ursprünglich für Dezentralisierung standen, nun zu Instrumenten der Zentralisierung werden. Die Blockchain wurde erfunden, um Vertrauen in Autoritäten zu ersetzen – und nun wird sie von der Autorität selbst instrumentalisiert, um Vertrauen zu erzwingen. Ein dialektischer Widerspruch, der die gesamte Philosophie des Web3 ad absurdum führt.
Ich weine wirklich. 🥺 Wie kann man so etwas zulassen? Menschen, die nur überleben wollen, werden wie Kriminelle behandelt… das ist nicht nur unmenschlich, das ist moralisch verkommen. Wer hat ihnen das Recht gegeben, Hoffnung zu stehlen? 🤕
Ich hab’ das gelesen und dachte: Wow, das ist extrem – aber ich versteh’ auch, warum die Regierung das tut. Wenn du eine Wirtschaft am Boden hast und die Leute mit Krypto überleben, dann musst du irgendwie kontrollieren, wer was macht. Sonst läuft alles völlig aus dem Ruder. Es ist kein Traum, aber vielleicht die einzige Möglichkeit, nicht komplett zusammenzubrechen.